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Flüchtlinge: Bildungszugänge schaffen, Integration ermöglichen

In ihrer Einleitung hob die Moderatorin Wanda Krautter die Herausforderung hervor, für die heterogene "Bildungszielgruppe Flüchtlinge" Zugänge zu Bildungsangeboten zu schaffen. Neben verschiedenen Zuständigkeitsebenen seien fast alle Bildungsbereiche von der Kita bis zur beruflichen Weiterbildung betroffen. Beides führe zu einer hohe Zahl an verantwortlichen Akteuren, die mit der Bildung von Flüchtlingen befasst sind. Den Abstimmungsprozess zwischen diesen Akteuren zu organisieren und zu koordinieren, sei eine Kernaufgabe des Kommunalen Bildungsmanagements.

v.l.n.r.: Marian Zachow und Heidemarie Franzmann aus dem Lankdreis Marburg-Biedenkopf erörtern ihre Konzepte, moderiert von Wanda Krautter, INBAS GmbH (Bildmitte).
v.l.n.r.: Marian Zachow, Landkreis Marburg-Biedenkopf, und Heidemarie Franzmann, Landkreis Fulda, erörtern ihre Konzepte, moderiert von Wanda Krautter, INBAS GmbH (Bildmitte).

Sprachförderung im Landkreis Fulda

Heidemarie Franzmann, Studienleiterin an der vhs des Landkreises Fulda und zugleich Leiterin des Fachbereichs Sprachen an der vhs der Stadt Fulda, stellt das Konzept der Sprachförderung vor.

Im Landkreis Fulda wanderten 2015 rund 2.000 Menschen zu. Bereits früh war eine hohe politische Priorität erkennbar, die Bildungschancen dieser Menschen zu verbessern, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Als Steuerungsgremium organisierte der Landkreis den "Runden Tisch Asyl", an dem die Volkshochschule, das Staatliche Schulamt, der Fachdienst Zuwanderung, das Ausländeramt, das Kommunale Kreisjobcenter und der Treffpunkt "Aktiv für Ehrenamtliche" beteiligt sind. Die zentralen Aufgaben bestehen darin, das Angebot an Deutschkursen zu koordinieren, Gemeinschaftsunterkünfte zu gewinnen, die Arbeitsmarktintegration zu ermöglichen, die Beratung durch das "WIR-Programm" durchzuführen, den Einsatz von Ehrenamtlichen zu koordinieren und sich mit interkultureller Öffnung auseinanderzusetzen.

Der Landkreis stellte Anfang 2015 über eine halbe Million Euro für die soziale Betreuung, Sprachkurse und ehrenamtliches Engagement zur Verfügung. Damit und durch weitere Spenden des Bistums Fulda konnte das Sprachangebot so ausgebaut werden, dass heute in jeder Gemeinschaftsunterkunft in Landkreis und Stadt Fulda Sprachunterricht durch Fachkräfte stattfinden kann. Der Kreis setzte dabei konsequent auf die Rekrutierung qualifizierter DozentInnen und SprachlehrerInnen, ehrenamtliche Kräfte werden für anschließendes Konversationstraining eingesetzt. Diese "Basiskurse Deutsch" richten sich an alle Flüchtlinge mit dem Ziel, Grundkenntnisse zu erwerben und sich im Alltag verständigen zu können. Um die Motivation der Teilnehmenden aufrecht zu erhalten, entrichten sie einen geringen Eigenbeitrag, der ihnen bei regelmäßiger Teilnahme zurückerstattet wird. Darüber hinaus gibt es berufsbezogene Sprachintensivkurse mit 300 Unterrichtsstunden, an deren Ende die Perspektive sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stehen soll. In Zukunft ist eine stärkere Kombination von Sprachkursen mit Praktika oder Arbeitsgelegenheiten geplant.

Arbeitsmarktintegration im Landkreis Marburg-Biedenkopf

Herr Zachow, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf, stellte das Projekt "VOICE" vor.

Der grundlegende Ansatz besteht darin, Flüchtlinge als Chance im ländlichen Raum zu begreifen, insbesondere, um den Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Im Landkreis hat sich daher die "Arbeitsgruppe Flucht und Arbeit" (Stabsstelle "Ausländer, Migration und Flüchtlinge", Wirtschaftsförderung, Büro für Integration, Agentur für Arbeit und dem Kreisjobcenter) gebildet und das Willkommensangebot "VOICE" entwickelt. Ziel ist es u.a., den Arbeits- und Ausbildungsmarktzugang zu erleichtern und zu beschleunigen, Beschäftigungsreserven frühzeitig zu mobilisieren und Marburg-Biedenkopf als attraktiven Lebens- und Arbeitsraum zu präsentieren. In diesem Sinne wird VOICE auch als Angebot der "Willkommenskultur" verstanden, bei dem es nicht nur um das "Ankommen" in der neuen Heimat geht; vielmehr sollen aus den Flüchtlingen von heute die Nachbarn, Freund oder Arbeitskollegen von morgen werden.

Der Projektname hat eine Doppelbedeutung: Zum einen möchte VOICE Flüchtlingen eine Stimme geben und sie teilhaben lassen, zum andern ist er das Akronym für "vocational, orientating, informative, cultural, experiencable". VOICE arbeitet in drei Schwerpunkten:

1) Arbeit und Sprache: Sprach- und Arbeitsintegration sollten parallel verlaufen. Ein Teil der Sprachkurse wird daher mit Arbeitsgelegenheiten kombiniert (1 Tag Sprachkurs, 4 Tage Arbeit plus an 2 Nachmittagen Teilnahme am Bildungsangebot).

2) Beratung: Seit Juni gibt es das Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge (Arbeitsagentur, Kreisjobcenter, Stabsstelle Integration) als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um den Arbeitsmarkt. Aktuell wird darüber hinaus ein Kompetenzfeststellungscenter aufgebaut, das eine umfangreiche Kompetenz- und Eignungsfeststellung in Kleingruppen (mit insgesamt 500 bis 600 Teilnehmern pro Jahr) ermöglicht. So sollen die AsylbewerberInnen Arbeitsangeboten besser zugesteuert werden. Spezifische Angebote, z.B. für Frauen, sind ebenfalls in Planung.

3) Bildung: Dieser Bereich ist zunächst für alle Asylbewerber offen und kombiniert Arbeitsmarktorientierung (z.B. durch Kennenlernen des Arbeitsmarktbüros für Flüchtlinge, Betriebsbesichtigungen) mit kulturellen Angeboten (z.B. Stadtführung, Theater- und Kunstworkshop, Stadtführung) und ermöglicht so ein erstes Eintauchen in die neue Heimat.

Bisher haben ca. 150 Flüchtlinge aus Eritrea, dem Irak und Afghanistan teilgenommen; das Angebot wird aber zurzeit stark ausgeweitet.

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