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Ganztag: Gemeinsam Strukturen entwickeln

In der Werkstatt 4 stehen die Erfahrungen bei der (Weiter-) Entwicklung von Steuerungs- und Koordinierungsstrukturen für den Ganztagsbereich im Vordergrund.
In der Werkstatt 4 stehen die Erfahrungen bei der (Weiter-) Entwicklung von Steuerungs- und Koordinierungsstrukturen für den Ganztagsbereich im Vordergrund.

Dr. Heinz stellt zu Beginn des Interviews mit Herrn Bernd Heger (Projektleiter im Schulverwaltungsamt der Stadt Kassel im Bereich "Schulentwicklungsplanung und IT an Kasseler Schulen") das Programm "Ganztag" an den Schulen in den Raum. Er eröffnete die Diskussion mit der Frage, ob der "Ganztag" eher als ein familien-, arbeitsmarkt- oder bildungspolitisches Instrument anzusehen ist. Im Gespräch mit Herrn Heger wird deutlich, dass der Ganztag alle genannten Bereiche beeinflusst. Da die Stadt Kassel schon sehr früh ein eigenes Rahmenkonzept zum "Ganztag" entwickelt hat, erläutert Herr Heger die Entstehung dieses Konzepts. Bereits 2006/2007 hat Kassel sich mit dem Thema "Ganztag" befasst. Zum damaligen Zeitpunkt formulierte die Leitungsebene des Dezernats V, Jugend, Schule, Frauen, Gesundheit, eine Vision, wie kommunale Bildungsverantwortung wahrgenommen und gestaltet werden könnte. Auf dieser Vision beruhend wurden pädagogische Konzepte entwickelt und politische Entscheidungen getroffen. Herr Heger hebt hervor, dass einer der politischen Beschlüsse dazu aufforderte, die Ganztagsschulkindbetreuung und die Angebote an den ganztägig arbeitenden Schulen zusammenzuführen. Daraufhin wurde in einem sehr breiten Beteiligungsprozess unter Mitwirkung verschiedenster Akteure (u.a. des Jugendamts, des Schulverwaltungsrats und der Gebäudewirtschaft) das kommunale Rahmenkonzept "Ganztag an Grundschulstandorten" entwickelt. Neben Vertretern der Institutionen wurden auch verschiedene Professionen in den Prozess eingebunden, wie Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter, Vertreter von Kindertagesstätten und weitere Fachberatungen.

Als Zielpunkte des Rahmenkonzepts betont Herr Heger die Zusammenführung der Angebote von Schulkindbetreuung und Jugendhilfe. Die teilnehmenden Schulstandorte (Herr Heger definiert Standorte als Zusammenschlüsse aus Jugendhilfe und Schule.) erhalten bei einer verbindlichen Teilnahme finanzielle und personelle (in Form von Schulsozialarbeit) Unterstützung. Die Entwicklung des Rahmenkonzepts hat ein Jahr in Anspruch angenommen. Um den großen Organisationsaufwand so gering wie möglich und den personaltechnischen und administrativen Aufwand für die Stadt Kassel im Auge zu behalten, wurde eine 100%ige Dienstleistungstochter der Stadt Kassel mit diesen Aufgaben betraut. Die Dienstleistungsgesellschaft unterstützt die Schulen bei der Antragsstellung und Abrechnung. Sie erstellt Verwendungsnachweise und weist professionell die Mittelverwendung nach, so dass Fehler, die zu Beginn unter anderem bei der Vergabe von Aufträgen gemacht wurden, vermieden werden.

Dr. Heinz hebt hervor, welche Bedeutung der Passgenauigkeit des Schulprofils mit dem Rahmenkonzept für den Ganztag zukommt. In diesem Zusammenhang weist Bernd Heger auf den stetigen Austausch mit den Schulen bereits in der Konzeptentwicklungsphase hin. Gemeinsam mit dem Jugendhilfeträger und der Schule werde über die Grundbedingungen zur Teilnahme am "Pakt für den Nachmittag" gesprochen. In der anschließenden gemeinsamen Konzeptentwicklungsphase wird der Antrag konkretisiert. Fachtage zu einzelnen Themen bieten die Möglichkeit, offene Fragen über die Professionen hinweg gemeinsam zu beantworten. Eine kontinuierliche Prozessbegleitung ist gelebter Alltag der Verantwortlichen, erläutert Herr Heger.

Abschließend hebt Herr Heger die bewusste Zusammenarbeit der Professionen als Erfolgsfaktor des "Pakts für den Nachmittag" in Kassel hervor. Täglich haben die Pädagogen der beteiligten Schulen und die Jugendhilfevertreter drei gemeinsame Arbeitsstunden; in dieser Zeit besteht die Möglichkeit der bewussten Zusammenarbeit und des Austauschs. Außerdem bieten gemeinsame Fachtage die Chance zum interdisziplinären Dialog. Auch in der gemeinsamen Zeit der Konzeptentwicklungsphase lernen die Professionen voneinander, beide Seiten (Lehrer und Sozialpädagogen) befassen sich mit dem Thema Bildung sowie mit den Themen Betreuung und Erziehung – durch diese enge Verzahnung und den gemeinsamen regelmäßigen Austausch lernen beide Seiten viel Neues und profitieren langfristig voneinander.

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