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Flüchtlinge: Bildungszugänge schaffen, Integration ermöglichen

Marian Zachow (r.), Erster Kreisbeigeordneter im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Marian Zachow (r.), Erster Kreisbeigeordneter im Landkreis Marburg-Biedenkopf

Im Werkstattgespräch 3 wird es um den Bildungszugang von Flüchtlingen gehen. Interviewpartner Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreis Marburg-Biedenkopf, informiert über die Situation in seinem Landkreis, die den Integrationsprozess mit einer Kreistagsresolution auf den Weg brachte. In diesem Zuge entwickelte sich ein kommunales Bildungs- und Beratungsangebot, das Flüchtlinge durch berufliche, sprachliche, aber auch kulturelle Bildung integrieren möchte.

Herr Zachow betont, dass der breite Konsens aller kommunalen und zivilgesellschaftlichen Akteure die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Integrationspolitik sei. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gab es dazu sehr früh die Kreistagsresolution "Willkommen im Kreis Marburg-Biedenkopf". Prägend darin sei die Haltung aller Verantwortlichen, Unterbringung und Integration nicht nacheinander, sondern vor allem ineinander zu denken. So sei es ein besonderer Schwerpunkt des Landkreises, die Unterbringung so zu organisieren, dass sie gleichzeitig Integration möglich mache. Das bedeute, dass man auf eine dezentrale Unterbringung setze, selbst in den kleinsten Dörfern, denn man glaube daran, dass die Integrationschancen einer Dorfgemeinschaft die infrastrukturellen Nachteile aufwiegen.

Die Resolution würdige aber auch die enormen Integrationsanstrengungen seitens Verwaltung und der Zivilgesellschaft. Herr Zachow hebt dabei das ganzheitliche Zusammenwirken von verschiedenen Akteuren hervor und sieht in der erkennbaren Steigerung des Integrationsangebotes von Vereinen, Initiativen und Ehrenamtlichen eine direkte Wirkung der Resolution.

Moderator Herr Dr. Heinz fragt nach den Herausforderungen, die in der Resolution formulierten Ansprüche auch tatsächlich zu realisieren. Für Herrn Zachow ist unabdingbar, dass die Beteiligten an einem Strang ziehen. So habe sich im Landkreis Marburg-Biedenkopf ein Netzwerk aus Verwaltung und Arbeitsagentur gebildet, in dem sich die Kommunale Wirtschaftsförderung, das Büro für Integration, der damalige Fachbereich Ordnung & Verkehr, das Kreisjobcenter  und die Arbeitsagentur alle 14 Tage träfen. Diese enge Zusammenarbeit sei nach Einschätzung Herrn Zachows der wichtigste Motor für die Integrationspolitik im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Von vorneherein waren sich alle Beteiligten einig, dass nicht nur über die Arbeitsmarktintegration diskutiert wird, sondern dass Integrationsprozesse und vor allem die zugehörigen Bildungsprozesse nur ineinander verschränkt zu bewerkstelligen seien.

Herr Dr. Heinz erkundigt sich nach dem Projekt VOICE, das diesen Anspruch in die Praxis bringe. Herr Zachow erläutert, dass auch VOICE auf dem bereits geschilderten ganzheitlichen Konzept fuße. Angeboten würden zum einen 30 Arbeitsgelegenheiten. Da aber zur Integration auch das Hineinwachsen in einen Kreis, in die Gesellschaft gehöre, wird die Arbeitsmarktintegration zum anderen ergänzt um das so genannte OPEN VOICE Programm mit Unternehmensbesichtigungen, Kulturveranstaltungen und Stadtführungen. Ein weiterer wesentlicher Teil im VOICE-Programm seien Sprachkurse, wobei sich der Landkreis vom alten Dogma "Lerne zuerst die Sprache und fange dann an, zu integrieren" gelöst habe und nach einem "Vier plus eins" – Modell vorgehe: Vier Tage Arbeit plus einen Tag Sprachkurs. Mit diesem Vorgehen mache der Landkreis sehr gute Erfahrungen, die er im anschließenden Werkstattgespräch genauer erläutern werde. Für Dr. Heinz sei es wünschenswert, die vielen guten Ansätze, die sich zurzeit  in den Kommunen zur Flüchtlingsintegration entwickeln, verstärkt zur Diskussion zu bringen. Die Herausforderungen in den Kommunen glichen sich, so dass ein Werkstattgespräch wie auf der heutigen Tagung ein hilfreicher Beitrag sei, um die Vielfalt der Möglichkeiten aufzuzeigen.

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