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Von der Kita in die Grundschule: Übergänge gestalten

Art: Seminar
Ort: Familienzentrum Rodgau, Alter Weg 63 F,
63110 Rodgau
Datum: 12.03.2018
Uhrzeit: 11:00–15:00 Uhr
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Handlungsspielräume und Herausforderungen für Städte und Landkreise

Übergänge sind für Kinder aber auch für Erwachsenen Zäsuren im Lebensverlauf. Jede grundlegende Veränderung benötigt entsprechende Verhaltens- und Anpassungsstrategien, um diesen Übergang gestalten zu können. Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte können Kinder bei diesen Übergängen unterstützen. Von besonderer Bedeutung ist der Übergang von der Kita in die Grundschule. Bedeutsam, weil Kindergarten und Grundschule unterschiedlichen Systemen, verschiedenen Zuständigkeiten und damit auch anderen Sichtweisen auf das Kind angehören. Der Kindergarten gehört dem Sozialbereich an und liegt damit in der Zuständigkeit der Kommune. Die Schule dem Schulbereich und liegt damit größtenteils in der Zuständigkeit des Landes. Entsprechend ist die Gestaltung des Übergangs "Kita-Grundschule" eine sehr komplexe Aufgabe des Bildungsmanagements und erfordert viel Koordination und Netzwerkarbeit auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichsten Beteiligten. Das Seminar "Von der Kita in die Grundschule: Übergange gestalten" hat am Beispiel der Stadt Offenbach aufgezeigt, wie dieser Übergang in einer Stadt mit sehr hohem Migrationsanteil gestaltet werden kann, vor welche Herausforderungen man gestellt ist und wie man diese mit Hilfe des Bildungsmonitorings meistert.

Bücherregale im Eingangsbereich der Begegnungsstätte
Familienzentrum Rodgau; Quelle: Stadt Rodgau

Rodgau setzt auf Bildung von Anfang an

Eröffnet wurde das Seminar vom Ersten Stadtrat und Sozialdezernenten der Stadt Rodgau, Michael Schüssler. Er hob hervor, dass sich die Stadt Rodgau schon sehr früh den Schwerpunkt Bildung gesetzt habe. Die Stadt hat den Anspruch, ein passendes Bildungsangebot für jeden ihrer Bürger zur Verfügung zu stellen: Von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Gestaltung der Übergänge. Aus der Bürgerschaft wurde das Bildungsforum "Rodgau bildet Zukunft" gegründet, das eng mit der Kommune zusammenarbeitet. Ebenso wurde der Fachbereich kommunales Bildungsmanagement eingerichtet. Ein Ergebnis dieses Prozesses ist z.B. das Familienzentrum, in dem die Veranstaltung stattfand. Die Fokussierung auf das Themenfeld Bildung bewirkt, dass die Stadt insbesondere für junge Familien attraktiv ist.

Rechtzeitige Einschulung aller Offenbacher Kinder

Nach einer kurzen inhaltlichen Hinführung zum Thema durch Carolin Seelmann (wissenschaftliche Mitarbeiterin, Transferagentur Hessen), stellte Beatrice Ploch, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Fachstelle Bildungskoordinierung und Beratung der Stadt Offenbach, die Verankerung der Fachstelle und deren Aufgaben in der Verwaltung der Stadt Offenbach vor. Anhand der Daten des Bildungsmonitorings wird deutlich, Offenbach ist eine wachsende, junge Stadt mit hohem Migrationsanteil, der sich unterschiedlich über die verschiedenen Stadtteile verteilt. Über einen Indikator des Bildungsberichts wurde deutlich, dass in Offenbach relativ viele Kinder bei ihrer Einschulung über nur geringe Deutschkenntnisse verfügen, wenn sie nur kurz (weniger als 18 Monate) den Kindergarten besucht haben. Außerdem hat Offenbach einen hohen Anteil an Zugewanderten aus EU-Ländern, die nur schlecht mit dem deutschen Bildungs- und Schulsystem vertraut sind. Aufbauend auf diesen Befunden wurden im Beirat "Kita-Grundschule" u.a. drei Maßnahmen entwickelt, die sicherstellen sollten, dass Kinder fristgerecht eingeschult werden. Der Beirat setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt, der Schule und den freien Trägern der Kindergärten zusammen.

Diese Maßnahmen sind:

  1. ein Infobrief zur Einschulung für neuzugewanderte Familien, der im Bürgerbüro seit Mitte 2016 ausgegeben wird;
  2. ein neues Verfahren zum Adressabgleich zwischen der Verwaltung und den Schulen, welche Kinder, wann eingeschult werden sollen;
  3. eine Absprache zwischen Grundschulen und Kitas soll sicherstellen, dass die Grundschulen die Kitas informieren, welche ihrer Vorschulkinder zur Schulanmeldung gekommen sind.

Seminarteilnehmende verfolgen interessiert die Ausführungen der Offenbacher Referentin.
Beatrice Ploch (Fachstelle Bildungskoordinierung und Beratung, Stadt OF) erläutert Maßnahmen und Aktivitäten des Beirats "Kita-Grundschule" der Stadt Offenbach.
grafische Darstellung Sprachkenntnisse Schuleingangsuntersuchung
Deutschkenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund in Abhängigkeit von der Kitabesuchsdauer; Quelle: EBO 2015, S. 26

Sprachförderung in städtischen Kindertagesstätten

Im Anschluss an den Vortrag von Frau Ploch stellte Frau Santiago, Kita-Leitung der Kita Mathildenstraße (4), das alltagsintegrierte Sprachprogramm des Eigenbetriebs Kindertagesstätten der Stadt Offenbach anhand von Beispielen aus ihrer Kita-Praxis vor.

Ziele des Ansatzes sind: Die Fachkräfte sollen ihr Wissen u.a. über Sprache erweitern, diese Kenntnisse sollen einfließen in handlungspraktisches Wissen, die Fachkräfte sollen über ihr eigenes sprachliches Handeln reflektieren und sprachpädagogisch intervenieren; entsprechend ist es das Ziel, dass sie über eine bewusste Haltung als professionelles, responsives Sprachvorbild gegenüber den Kindern agieren. Die Kita 4 nimmt sich dieser Thematik über vier Handlungsfelder an, u.a. über das handlungsbegleitende Sprechen im pädagogischen Alltag (durch das gemeinsame Essen in der Kita), durch die Unterstützung im Erlernen des Präpositionserwerbs (am Beispiel des Spielens in der Turnhalle), durch Partizipation und frühe Mathematik (die Kinder sind unter anderem als Stadtteilforscher in ihrem Viertel unterwegs) und durch Einbeziehung der Familien zum Thema Nachhaltigkeit und durch gemeinsame Elternabende mit der Schule.

Die Referentin erklärt, wie das Qualifizierungsprogramm in den städtischen Kindertagesstätten funktioniert.
Heike Santiago (EKO, Stadt OF) stellt das Konzept der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung in den Offenbacher Kitas vor.

Fazit & Ausblick

Die Vielfalt der Seminarteilnehmenden ermöglichte interessante Diskussionen und einen regen Austausch zu den Themen Übergang und Sprachförderung im Anschluss an die beiden Vorträge und verdeutlichte die Weite der Thematik Übergang "Kita-Grundschule". Fragen, denen in kommenden Veranstaltungen nachgegangen werden könnte, sind u.a.:

  • Wie könnte das Bildungsmonitoring und die Kommunale Koordinierung stärker in Gremien eingebunden werden?
  • Welche Rolle haben Fördervereine und wie kann Elternarbeit systematisch eingebunden werden?
  • Wie gestaltet sich Übergangsgestaltung in Landkreisen aus Sicht des Landkreises?

Kontakt

Carolin Seelmann
Telefon: 069 27224-735
E-Mail: carolin.seelmann@remove-this.transferagentur-hessen.de

Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Hessen
Telefon: 069 / 27224-750
Fax: 069 / 27224-30

INBAS GmbH, Herrnstraße 53, 63065 Offenbach