Zum Inhalt springen

Bildung für alle?! Grundlagen, Ansätze und Möglichkeiten eines kommunalen Bildungsmonitoring

Art: Seminar
Ort: Ka Eins,
Kasseler Str. 1a,
60486 Frankfurt a.M.
Datum: 21.04.2017
Uhrzeit: 10:30 – 15:30 Uhr
Sprungziele innerhalb dieser Seite:

Datenbasierte Analysen des Bildungsgeschehens haben spätestens seit der nationalen Bildungsberichterstattung erheblich an Bedeutung gewonnen. Ein Monitoring auch auf kommunaler Ebene zur Analyse und Planung von Bildung direkt "vor Ort" erlangt seit einigen Jahren ebenfalls immer größere Beachtung. Zur Einführung in dieses komplexe Themenfeld behandelte das Seminar am 21. April grundlegende Entwicklungen und Möglichkeiten eines Bildungsmonitorings allgemein sowie konkrete Verläufe und Praxisbeispiele zu Aufbau und Verstetigung eines Bildungsmonitorings auf kommunaler Ebene.

Ende April sind 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus hessischen und nordrhein-westfälischen Kommunen unter anderem aus den BMBF-Förderprogrammen "Bildung integriert" und "Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte" in die Räumlichkeiten des Ka Eins in Frankfurt gekommen, um wissenschaftliche und praktische Einblicke in den Aufbau und Funktionsweisen eines kommunalen Bildungsmonitorings zu gewinnen.

Demografischer Wandel und Chancengleichheit als kommunale Zukunftsthemen

Felicitas von Küchler begrüßte die Teilnehmenden und stimmte sie auf das konzentrierte Programm ein. Zu Beginn des Seminars führte Prof. Dr. Horst Weishaupt, ehem. Leiter der Einheit "Steuerung und Finanzierung des Bildungswesens" des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung, umfassend in die konzeptionellen Grundlagen und Herausforderungen beim Aufbau eines kommunalen Bildungsmonitorings ein. Neben einer historischen Einordnung der bundesdeutschen Bildungsberichterstattung wurden Hauptmerkmale und Indikatorenauswahl in der Bildungsberichterstattung erläutert. Daneben ging er auf die aktuelle und zukünftige Bildungssituation vor allem in Hessen ein.

Dabei wurde deutlich, dass sich große regionale Unterschiede zeigen und in politischen Handlungsstrategien zu berücksichtigen wären. Die Zusammenhänge zwischen Bildung und Arbeitsmarkt müssten verstärk in den Fokus genommen werden. Ländliche Regionen mit schrumpfender Bevölkerung stehen vor der Aufgabe, Maßnahmen zur Sicherung der Bildungsinfrastruktur zu entwickeln und Beschäftigungschancen für junge Menschen zu verbessern. Dicht besiedelte Regionen, in denen viele Beschäftigte (am Arbeitsort) weniger Erwerbstätigen (am Wohnort) gegenüber stehen, müssen sich der Aufgabe stellen, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und die Bildungsförderung von Migrantinnen und Migranten sowie die Bedingungen der Frauenerwerbstätigkeit und für Unqualifizierte zu verbessern.

Bildungsmonitoring nicht ohne kommunales Bildungsmanagement

Um evidenzbasierte Konzepte für Qualitätsverbesserungen im Bildungswesen entwickeln zu können, steht die Analyse der Ausgangsituation immer am Anfang einer strategischen Steuerung. Das Bildungsmonitoring muss somit in den kommunalen Handlungszyklus eingebettet sein. Entscheidend sind hierfür dauerhafte und zielorientierte Mitwirkungs- und Abstimmungsprozesse, in die das Bildungsmonitoring gezielt Daten einspeisen sollte. Daneben hob Prof. Weishaupt die Wichtigkeit der bildungsbereichsübergreifenden und kleinräumigen Perspektive hervor, um die Bildungsentwicklung umfassend darstellen zu können. Dies ist vor allem für Landkreise eine große Herausforderung.

Um ein indikatorengestütztes, für alle Bildungsbereiche umfassendes und kleinräumiges Bildungsmonitoring realisieren zu können, benötigen die Kommunen ein vielschichtiges Datenmaterial: Prinzipiell sollten die Daten regelmäßig (jährlich) bereitstehen, weil nur dann eine Dauerbeobachtung von Entwicklungen möglich ist.

Kommunales Bildungsmonitoring – zielgerichtet und zielgruppenorientiert

Im zweiten Teil des Tages ging Frau Dr. Böhm-Kasper, die seit 2010 zuständig für das Bildungsmonitoring im Kreis Lippe ist, auf den Aufbau, die Steuerungsweise und die Funktionen des kommunalen Bildungsmonitoring aus Landkreisperspektive ein.

Bereits 2001 begann hier, unter dem Eindruck eines erhöhten Handlungsbedarfs besonders im Bereich des Ausbildungsmarktes, der Prozess des Aufbaus eines Bildungsmanagements. Im Rahmen des BMBF-Programmes "Lernen vor Ort" wurde ein Bildungsmanagement inklusive eines Bildungsmonitoring aufgebaut und mündete nach Projektende 2015 in einem Fachdienst Bildung und einem regionalen Bildungsnetzwerk. Im Rahmen dessen veröffentlicht der Kreis seit 2010 im Turnus von zwei Jahren kommunale, indikatorengestützte Bildungsberichte, die alle Bildungsphasen im Lebenslauf umfassen, regionale und kommunale Vergleichbarkeit herstellen sowie Zeitreihenbetrachtungen ermöglichen. Dadurch werden eine umfassende Transparenz sowie eine kontinuierliche Planungsgrundlage für das kommunale Bildungswesen geschaffen.

Ein jährlich zusammengestellter Faktencheck Bildung (und Integration) ermöglicht es darüber hinaus, eine kurzgefasste Betrachtung der ausgewählten Handlungsfelder des Regionalen Bildungsnetzwerks verfügbar zu machen. Daneben gibt der Kreis Lippe bedarfs- und interessensabhängig Kommunalprofile mit kleinräumigen Daten für kreisangehörige Städte und Gemeinden heraus.

Zeit und kontinuierliche Beteiligung als Erfolgsfaktor

Im Zuge der Ausführungen zur Entwicklung des Bildungsmonitorings im Kreis Lippe, wurde deutlich, dass neben einer konzentrierten Darstellung von Daten, besonders intensive interne und externe Abstimmungsprozesse und kontinuierliche fachliche Begleitung wichtig sind. Durch eine enge Anbindung an das Bildungsmanagement und an zentrale Akteure sowie eine Verbreitung unmittelbar handlungsrelevanter Ergebnisse kann die Entwicklung des Bildungsmonitorings vorangetrieben werden. So verdeutlichte Frau Dr. Böhm-Kasper die Bedeutung von umfassenden und anhaltenden partizipativen Strukturen im Prozess eines kommunalen Bildungsmonitorings, die auch nach Jahren erfolgreicher Arbeit nicht an Relevanz verlieren.

Kontakt

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Simone Mazari
Telefon 069 27224-729
E-Mail: simone.mazari@remove-this.transferagentur-hessen.de

Julia Klausing
Telefon 069 27224-741
E-Mail: julia.klausing@remove-this.transferagentur-hessen.de

Zum Seitenanfang