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Bestandsaufnahme non-formaler und informeller Bildungsangebote

Art: Seminar
Ort: Kreishaus der Kreisverwaltung Darmstadt-Dieburg,
Jägertorstraße 207,
64289 Darmstadt
Datum: 31.05.2016
Uhrzeit: 13:00–17:00 Uhr
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Der Erste Kreisbeigeordnete Christel Fleischmann (LK Darmstadt-Dieburg) begrüßt die Anwesenden.
Der Erste Kreisbeigeordnete Christel Fleischmann (LK Darmstadt-Dieburg) begrüßt die Anwesenden.

Non-formale und informelle Bildungsangebote (z.B. Museen, Bibliotheken, Vereine) sind aus den Debatten um Lebensbegleitendes Lernen nicht mehr wegzudenken. Eine Bestandsaufnahme ist jedoch aufgrund der Vielfältigkeit und geringen Übersichtlichkeit dieser Bildungsbereiche mit besonderen Herausforderungen verbunden.

"Die Bedeutung non-formaler und informeller Bildung wird zunehmen", ist sich auch der erste Kreisbeigeordnete Herr Fleischmann des Landkreises Darmstadt-Dieburg mit Blick auf die Vielzahl non-formaler und informeller Lernorte in der Region sicher.

Ende Mai hatten 23 Vertreter aus hessischen Kommunen in den Räumlichkeiten der Kreisverwaltung des Landkreises Darmstadt-Dieburg die Möglichkeit, der Frage nachzugehen, wie sich non-formale und informelle Bildungsangebote in Kommunen erfassen und in einem Bildungsbericht darstellen lassen.

Formale, non-formale und informelle Bildung – eine begriffliche Klärung

Wolfgang Petran, Mitarbeiter der Transferagentur Hessen wies zum Einstieg in die Thematik darauf hin, dass Kommunen im außerschulischen Bildungsbereich aufgrund rechtlicher Bestimmungen vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten haben, angefangen von der frühkindlichen Bildung über die außerschulische Jugendbildung bis hin zur Erwachsenenbildung.

Der Wunsch der Teilnehmenden nach einer begrifflichen Klärung und Unterscheidung der verschiedenen Lernformen wurde aufgegriffen: Lernen in Schule und Berufsausbildung ist hochstrukturiert und geregelt, erfolgt zielgerichtet und schließt mit einem anerkannten Zertifikat ab. Non-formales Lernen setzt ein organisiertes, methodisch-didaktisches Arrangement voraus, schließt aber nicht zwingend mit einem offiziell gültigen Zertifikat ab – ein Beispiel für non-formales Lernen sind Kurse in Volkshochschulen. Informelles Lernen spielt sich häufig in der Familie, im Freundeskreis und unter Gleichaltrigen oder im Umgang mit Medien eher "nebenher" ab.

Martha Ottenbacher (Stadt Trier) präsentiert die Bestandsaufnahme informeller Bildung.
Martha Ottenbacher (Stadt Trier) präsentiert die Bestandsaufnahme informeller Bildung.

Bestandsaufnahme: Informelle Bildung in Trier

Martha Ottenbacher, Mitarbeiterin des kommunalen Bildungsmanagements der Stadt Trier, stellte die Bestandsaufnahme informeller Bildung vor. Im ersten Trierer Bildungsbericht (2011) wurde ein Datendefizit im Bereich der non-formalen und informellen Bildung deutlich. Davon ausgehend wurde ein theoretisch begründetes Erhebungskonzept entwickelt: Die Bestandsaufnahme informeller Bildung zielte darauf ab, zum einen die Bildungsangebote systematisch zu erfassen und zum anderen die Nutzung des Angebots abzubilden. Für die Bestandsaufnahme wurde ein Fragebogen eingesetzt. Die Bestandsaufnahme wurde sehr breit angelegt und schließt neben non-formalen Bildungsorten wie Museen, Theater auch informelle Lernangebote wie bspw. Vereine, Zeitungs- und Mediennutzung mit ein. Als ein wichtiges Ergebnis lässt sich festhalten, dass sich das non-formale Bildungsangebot im Stadtgebiet ungleich verteilt, so dass für einen Teil der Bevölkerung die Erreichbarkeit von Lernorten in Trier deutlich erschwert ist.

Dr. Martin Bauer-Stiasny (Stadt Nürnberg) referiert zum Monitoring non-formaler Bildung.
Dr. Martin Bauer-Stiasny (Stadt Nürnberg) referiert zum Monitoring non-formaler Bildung.

Monitoring non-formaler Bildung in Nürnberg

Dr. Martin Bauer-Stiasny, Mitarbeiter des Bildungsbüros Nürnberg, stellte die Entwicklung des Monitorings non-formaler Bildung als fester Bestandteil der Bildungsberichterstattung dar. Für die Nürnberger Bildungsberichterstattung wurde der nationale Bildungsbericht als Referenz hinzugezogen. Die Darstellung im Bildungsbericht 2011 konzentrierte sich dabei noch auf die non-formalen Lernwelten im Schulalter. Bei der Vorstellung der Ergebnisse war die Resonanz so hoch, dass in den folgenden Berichten das Monitoring non-formaler Bildung ausgebaut wurde. Seit 2012 wurden eine Reihe von Experteninterviews geführt, um das Bildungsangebot im Bereich der kulturellen Bildung möglichst vollständig erfassen zu können. Dr. Bauer-Stiasny weist auf die Notwendigkeit einer tragfähigen Kategorienbildung hin. Es hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, eine Auswahl zu treffen und die Bestandsaufnahme auf einen Ausschnitt des Angebots zu begrenzen. In der Zukunft soll ein weiterer Auftrag des Bildungsbeirats umgesetzt werden: Geplant ist eine Wirkungsforschung mit wissenschaftlicher Unterstützung in das Monitoring zu integrieren.

Datenzugänge und Datennutzung im kommunalen Bildungsmanagement

Dr. Jutta Laukart, Mitarbeiterin der Transferagentur Hessen, gab Hinweise wie man alternative Datenzugänge für Bestandsaufnahmen nutzen kann und stellte anschließend einige ausgewählte Beispiele vor, wie Daten zur non-formalen Bildung in der kommunalen Bildungspraxis genutzt wurden. Dabei zeigte sich, dass Kommunen unterschiedliche Maßnahmen mit der Bestandsaufnahme non-formaler Bildungsangebote verbunden haben. Diese reichen vom Ausbau und der Bekanntmachung des Bildungsangebots bis hin zur qualitativen Weiterentwicklung des Angebots. Für eine gezielte Datennutzung im kommunalen Bildungsmanagement ist es vorteilhaft, das Ziel der Bestandsaufnahme möglichst schon im Vorfeld, im Zusammenspiel zwischen politisch und operativ Verantwortlichen, klar zu benennen. Um die Bedeutung des Themas in der kommunalpolitischen Diskussion stärker platzieren zu können, kann es hilfreich sein, aktuelle Forschungsergebnisse heranzuziehen, die aufzeigen, dass sich non-formales Lernen tatsächlich messbar auf den Bildungserfolg auswirken (Strohmeier 2016, S.68).

Die lebhaften Diskussionen und Nachfragen zeigten das große Interesse der Teilnehmenden an diesem Thema. Es ist geplant, dass die Transferagentur Hessen, angelehnt an die thematischen Schwerpunkte und Vorhaben der Kommunen, eine weitere Veranstaltung zu dem Thema anbieten wird. Zukünftige Aufgaben bestehen darin, Standards für die Datenqualität kommunaler Erhebungen zu formulieren und die Indikatoren für das Berichtswesen weiter zu entwickeln.

Literatur:

Prof. Dr. Strohmeier, Klaus-Peter (2016): Soziale Herkunft und die Bedeutung "informeller Lernorte". Vortrag auf der Bilanztagung am 26. Januar 2015. In: Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Chancengerechtigkeit und Teilhabe. Ergebnisse aus der Forschung. Berlin, März 2016, S.66ff..

Kontakt:

Wolfgang Petran
Telefon: 069/27224-52
E-Mail: wolfgang.petran@remove-this.transferagentur-hessen.de
Fax: 069 / 27224-30

Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement
HessenINBAS GmbH, Herrnstraße 53, 63065 Offenbach

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