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Kommunen gestalten: Frühe Bildung

Art: Fachtag
Ort: Haus am Dom, Frankfurt am Main
Datum: 11.10.2016
Uhrzeit: 10:00–16:30 Uhr
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Spätestens seit Veröffentlichung der Ergebnisse der ersten PISA-Studie von 2000 ist die Bedeutung frühkindlicher Bildung für den Bildungserfolg jedes einzelnen Kindes bekannt. Nachdem Kommunen in den vergangen Jahren ihre Betreuungsangebote im frühkindlichen Bereich ausgebaut haben, stehen Städte, Gemeinden und Landkreise aktuell vor der Herausforderung, nun die Qualität ihrer frühkindlichen Bildungsangebote zu erhöhen, um die Bedingungen für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit herzustellen.

Unter dem Titel "Kommunen gestalten: Frühe Bildung" nahmen über 70 kommunale Vertreterinnen und Vertreter diese Herausforderung an und folgten der Einladung der Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Hessen zu einem Fachtag am 11. Oktober 2016 nach Frankfurt am Main. Der Fachtag zielte darauf ab, anhand eines breitangelegten Themenspektrums die Gestaltungsspielräume von Kommunen im Bereich der frühkindlichen Bildung hervorzuheben.

In ihrer Begrüßung hob die Projektleiterin der Transferagentur Hessen, Felicitas von Küchler, die Bedeutung qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildungsangebote als Standortfaktor für Kommunen hervor. Vorhandene Betreuungsangebote und deren Qualität beeinflussen häufig die Entscheidung junger Familien in ihrer Wahl des Wohnorts. Dr. Klaus-Peter Meinerz vom Projektträger des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (PT-DLR) wies darauf hin, dass Kommunalverwaltungen sich noch nicht sehr lange als Ansprechpartner für Eltern und Kinder sowie deren Belange verstehen würden.

Frühe Bildung – nachhaltige Wirkung

Der erste Fachvortrag widmete sich der nachhaltigen Wirkung frühkindlicher Bildung.
Prof. Dr. Kammermeyer (Universität Koblenz Landau) verdeutlichte anhand verschiedener Studienergebnisse die Bedeutung früher Förderung für benachteiligte Kinder und hob die Vorteile der längerfristigen Förderung hervor. Internationale Studien zur Nachhaltigkeit früher Förderung verweisen auf die herausragende Bedeutung der Interaktionsqualität zwischen pädagogischen Fachkräften und den Kindern. Das aktive Gespräch der pädagogischen Fachkraft mit den Kindern in Verbindung mit einer anschließenden Gesprächsreflexion sind wichtige Bausteine eines späteren Bildungserfolgs.

Frühe Bildung - eine kommunale Aufgabe?

Der Anschlussvortrag widmete sich der frühen Bildung als kommunaler Aufgabe. Dr. von Hehl (Bremen) hob in ihrem Vortrag hervor, dass Bildung bisher zu wenig Schwerpunkt kommunalen Handelns sei. Im kommunalen Alltag stehe die Versorgung mit  Betreuungsplätzen häufig im Vordergrund. Die Förderung der Erziehungskompetenz sowie das Engagement im Bereich Elternbildung seien freiwillige Leistungen von Kommunen. Außerdem könne auch noch nicht auf Regelungen zur Qualitätssicherung zugegriffen werden. In naher Zukunft gelte es, Konzepte zur frühkindlichen Förderung in den Kommunen zu entwickeln und gemeinsame Ziele (über Zuständigkeitsbereiche hinweg) zu formulieren. Die Kommune könne dabei die Rolle eines Initiators, Motivators und Moderators einnehmen. Dr. von Hehl warb für eine verlässliche Finanzierung von Bildungsprojekten, gute und klaren Kommunikationsstrukturen in den Verwaltungen und eine Beteiligung von Kindern und Eltern bei der Ausgestaltung des Bildungsangebots vor Ort.

Expertengespräch: Kommunale Gestaltungsspielräume

Eine anschließende Expertenrunde verdeutlichte die kommunalen Gestaltungsspielräume im Bereich der frühen Bildung. An der Runde beteiligten sich:

  • Walter Hiller, Repräsentant Kommunikation bei der Software AG-Stiftung Darmstadt,
  • Dr. Michaela Sixt, Projektleitung von "BildungsLandschaft Oberfranken" (BiLO), das am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e.V. angesiedelt ist,
  • Anja Hellmann, Kommunales Bildungsmanagement, München
  • Dr. Susanne von Hehl (Bremen), Forschungsschwerpunkt "Bildung, Betreuung und Erziehung als neue Aufgabe der Politik".

Thematische Aspekte des Austauschs waren:

  • Die hin und wieder auftretenden Schwierigkeiten, wenn unterschiedliche Professionen im beruflichen Alltag aufeinandertreffen (pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten und Lehrpersonal in Grundschulen).
  • Die Zunahme regionaler Disparitäten insbesondere im ländlichen Raum. Die Abhängigkeit der Nutzung von Bildungsangeboten wie z. B. Kindertagesstätten und Elternberatung vom Bildungsniveau der Eltern, woraus erneut Ungleichheiten entstünden.
  • Die Stadt München wirkt mit Hilfe ihrer Münchner Förderformel der wachsenden Bildungsbenachteiligung entgegen. So lasse sich mit Hilfe von Indikatoren, wie der Kaufkraft vor Ort und dem Bildungshintergrund der Einwohner, feststellen, in welchen Stadtbezirken eine hohe soziale Belastung vorliegt. Einrichtungen, die ihren Standort in diesen Bezirken haben, erhalten über die Münchner Förderformel zusätzliche finanzielle Ressourcen, die häufig für die Einstellung von zusätzlichem Personal in den Kitas genutzt werden.
  • Des Weiteren würden in Kommunen hervorragende Konzept entwickelt, häufig ständen diese aber nebeneinander und nehmen nicht aufeinander Bezug. Es mangele häufig an Koordination in der internen Abstimmung in der Kommune.
  • Abschließend wurde festgehalten, dass es dem Beruf der pädagogischen Fachkraft im frühkindlichen Bereich an ideeller und finanzieller Wertschätzung mangele, gerade in Zeiten hoher Personalfluktuation, befristeter Verträge und gestiegener Erwartungen an jede/jeden Einzelne/n.

Nachdem am Vormittag das Thema des Fachtags aus einer empirischen sowie aus einer verwaltungsorientierten Perspektive erörtert wurde, hatten die Teilnehmer am Nachmittag die Möglichkeit, inhaltliche Schwerpunkte anhand hessischer Beispiele in vier praxisbezogenen Foren kennenzulernen.

Den Abschluss des Fachtags gestalteten die beiden Moderatorinnen der Veranstaltung, Dr. Jutta Laukart und Carolin Seelmann, indem sie die Besonderheiten der jeweiligen Foren den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorstellten und auf kommende Veranstaltungen der Transferagentur hinwiesen.

Dr. Klaus-Peter Meinerz (PT-DLR) begrüßt das Fachtagspublikum.
Dr. Klaus-Peter Meinerz (PT-DLR) begrüßt das Fachtagspublikum.
Prof. Dr. Gisela Kammermeyer (Universität Koblenz-Landau) referiert zu den Effekten früher Bildung.
Prof. Dr. Gisela Kammermeyer (Universität Koblenz-Landau) referiert zu den Effekten früher Bildung.
Dr. Susanne von Hehl zeigt kommunale Gestaltungsmöglichkeiten in der frühen Bildung auf.
Dr. Susanne von Hehl zeigt kommunale Gestaltungsmöglichkeiten in der frühen Bildung auf.
Walter Hiller (Software AG-Stiftung)
Walter Hiller (Software AG-Stiftung)
Dr. Michaela Sixt (Universität Bamberg)
Dr. Michaela Sixt (Universität Bamberg)
Gesprächsrunde und Plenum von oben
Gesprächsrunde und Plenum von oben

 

 

v.l.n.r.: Dr. Jutta Laukart (Bildungsbüro Potsdam) und Carolin Seelmann (INBAS GmbH)
v.l.n.r.: Dr. Jutta Laukart (Bildungsbüro Potsdam) und Carolin Seelmann (INBAS GmbH)

Galerie

Die Projektleitung der Transferagentur Hessen Felicitas von Küchler (INBAS GmbH) eröffnet den Fachtag.
Die Projektleitung der Transferagentur Hessen Felicitas von Küchler (INBAS GmbH) eröffnet den Fachtag.
Dr. Klaus-Peter Meinerz (PT-DLR) begrüßt die Entwicklung von Kommunalverwaltungen, die sich mittlerweile als Ansprechpartner für Familien und deren Belange verstehen.
Dr. Klaus-Peter Meinerz (PT-DLR) begrüßt die Entwicklung von Kommunalverwaltungen, die sich mittlerweile als Ansprechpartner für Familien und deren Belange verstehen.
Prof. Dr. Gisela Kammermeyer (Universität Koblenz-Landau) erläutert die Wirkung früher Bildung.
Prof. Dr. Gisela Kammermeyer (Universität Koblenz-Landau) erläutert die Wirkung früher Bildung.
Dr. Susanne von Hehl erörtert kommunale Gestaltungsmöglichkeiten in der frühen Bildung.
Dr. Susanne von Hehl erörtert kommunale Gestaltungsmöglichkeiten in der frühen Bildung.
v.l.n.r.: Dr. Michaela Sixt (Universität Bamberg), Carolin Seelmann (INBAS GmbH), Walter Hiller (Software AG-Stiftung), Anja Hellmann (Stabsstelle München), Dr. Jutta Laukart (Bildungsbüro Potsdam), Dr. Susanne von Hehl (Bremen)
v.l.n.r.: Dr. Michaela Sixt (Universität Bamberg), Carolin Seelmann (INBAS GmbH), Walter Hiller (Software AG-Stiftung), Anja Hellmann (Stabsstelle München), Dr. Jutta Laukart (Bildungsbüro Potsdam), Dr. Susanne von Hehl (Bremen)
Dr. Michaela Sixt (Universität Bamberg) bringt die regionale Perspektive in die Debatte ein.
Dr. Michaela Sixt (Universität Bamberg) bringt die regionale Perspektive in die Debatte ein.
Anja Hellmann (Stabsstelle München) empfiehlt die sog. "Münchner Förderformel".
Anja Hellmann (Stabsstelle München) empfiehlt die sog. "Münchner Förderformel".
Die Fachtagsthemen werden auch in den Pausen intensiv nachbereitet, hier mit einer der Vortragsrednerinnen.
Die Fachtagsthemen werden auch in den Pausen intensiv nachbereitet, hier mit einer der Vortragsrednerinnen.
Ilona Wolf, Leiterin des Kita- und Familienzentrums am Kaiserberg in Gießen, erläutert das Gießener Konzept.
Ilona Wolf, Leiterin des Kita- und Familienzentrums am Kaiserberg in Gießen, erläutert das Gießener Konzept.
v.l.n.r.: Katharina Micheel und Rita Schneider (Stadt Wiesbaden)
v.l.n.r.: Katharina Micheel und Rita Schneider (Stadt Wiesbaden)
Verschiedene Lösungsansaetze, inspiriert durch das Wiesbadener Beispiel, wurden erarbeitet.
Verschiedene Lösungsansaetze, inspiriert durch das Wiesbadener Beispiel, wurden erarbeitet.
Marie Ortsiefer (l.) und Simone Groos (r.) von der Stiftung Zuhören informieren zum Programm "Lilo Lausch".
Marie Ortsiefer (l.) und Simone Groos (r.) von der Stiftung Zuhören informieren zum Programm "Lilo Lausch".
v.l.n.r.: Brigitte Hetz (HKM), Prof. Dr. Gisela Kammermeyer (Universität Koblenz-Landau), Felicitas von Küchler (INBAS GmbH)
v.l.n.r.: Brigitte Hetz (HKM), Prof. Dr. Gisela Kammermeyer (Universität Koblenz-Landau), Felicitas von Küchler (INBAS GmbH)
Jörg Engelbach aus dem Rheingau-Taunus-Kreis stellt das dortige Qualitätsmodell vor, das für alle Träger verbindlich ist.
Jörg Engelbach aus dem Rheingau-Taunus-Kreis stellt das dortige Qualitätsmodell vor, das für alle Träger verbindlich ist.
Karin Bahlo (EKO) zeigt, wie Alltägliches zur Sprachförderung nutzbar gemacht werden kann.
Karin Bahlo (EKO) zeigt, wie Alltägliches zur Sprachförderung nutzbar gemacht werden kann.
Teilnehmende bekunden ihr Interesse an weiteren Informationen aus Offenbach.
Teilnehmende bekunden ihr Interesse an weiteren Informationen aus Offenbach.
Dr. Jutta Laukart (Bildungsbüro Potsdam) und Carolin Seelmann (INBAS GmbH) fassen die Ergebnisse der Foren zusammen.
Dr. Jutta Laukart (Bildungsbüro Potsdam) und Carolin Seelmann (INBAS GmbH) fassen die Ergebnisse der Foren zusammen.
Konzentrierte Aufmerksamkeit einte das Plenum bis zum Veranstaltungsende.
Konzentrierte Aufmerksamkeit einte das Plenum bis zum Veranstaltungsende.

Fotos: Joachim Storch

Kontakt:

Carolin Seelmann
Telefon 069 / 27224-735
E-Mail: carolin.seelmann@remove-this.transferagentur-hessen.de

Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Hessen
Telefon: 069 / 27224-750
Fax: 069 / 27224-30

INBAS GmbH, Herrnstraße 53, 63065 Offenbach