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07.12.2018

Deutscher Weiterbildungsatlas 2018 - Teilnahme und Angebote in Kreisen und kreisfreien Städten

Der Weiterbildung im Kontext des lebensbegleitenden Lernens wird in der öffentlichen Diskussion ein hoher Stellenwert beigemessen. Aber trifft diese Wertschätzung auch in der Wirklichkeit zu? Und wie sehen Weiterbildungsbeteiligung und Angebotsumfang in den Kommunen aus? Antworten auf diese Fragen gibt der dritte Weiterbildungsatlas (2018), den das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vorgelegt hat. Auf der Datenbasis (2014/2015) des Mikrozensus, der Volkshochschul- und der Verbundstatistik, dem IAB-Betriebspanel und dem Unternehmensregister gibt der Atlas Auskunft über die Weiterbildungsteilnahme, die Potenzialausschöpfung und die Weiterbildungsangebote.

Tafelbild
Foto: Dieter Schütz / Pixelio

Während der Weiterbildungsatlas 2018 vor allem Ergebnisse des Bundesländervergleichs enthält, visualisiert eine Interaktive Karte die Ergebnisse für die 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Aus ihr stellen wir einige Ergebnisse für Hessen vor. Hessen liegt mit 13,2 Prozent weiterhin über dem Bundesdurchschnitt (12,2 Prozent) der Weiterbildungsteilnahme. Allerdings ist das Bundesland im Vergleich zu 2012/2013 um 0,5 Prozentpunkte gefallen.

Regionale Unterschiede bei der Weiterbildungsbeteiligung

Betrachtet man die interaktive Karte, so zeigen sich erhebliche Unterschiede sowohl zwischen den einzelnen Bundesländern als auch bei den Kommunen innerhalb eines Bundeslandes. Der Landkreis Darmstadt/Dieburg, der Hochtaunuskreis, Limburg-Weilburg und Marburg-Biedenkopf sowie die Städte Darmstadt und Wiesbaden gehören zu den Kommunen mit der höchsten Weiterbildungsteilnahme (17 bis 21,9 Prozent). Die Prozentzahlen beschreiben den Mittelwert des durchschnittlichen Anteils der Personen, die pro Jahr angegeben haben, im letzten Jahr mindestens eine Weiterbildung besucht zu haben. Befragt wurden hierzu etwa ein Prozent der in dem Kreis bzw. der kreisfreien Stadt wohnhaften Personen.

Das Mittelfeld umfasst 13 Kreise und kreisfreien Städte mit einer Weiterbildungsteilnahme zwischen elf und 15,8 Prozent. Sieben Landkreise liegen mit einer Beteiligung zwischen knapp fünf und unter elf Prozent. Auffallend ist, dass die Mehrzahl der Kreise und kreisfreien Städte gegenüber den Ergebnissen des zweiten Weiterbildungsatlas (2016) einen mehr oder weniger starken Rückgang zu verzeichnen haben; dies trifft mit einer Ausnahme auch auf die "Spitzengruppe" zu. Ihre Weiterbildungsquoten steigern konnten hingegen der Odenwaldkreis, Darmstadt/Dieburg, der Wetteraukreis, Marburg-Biedenkopf, Limburg-Weilburg und am deutlichsten der Schwalm-Eder-Kreis.

Soziale Spaltung in der Weiterbildung

Für das gesamte Bundesgebiet zeigt sich, dass Weiterbildung längst nicht alle gesellschaftlichen Gruppen erreicht. Geringqualifizierte und Arme bilden sich mit 6,2 bzw. 8,3 Prozent in Hessen zwar im Bundesvergleich überdurchschnittlich fort, doch liegen auch diese Werte deutlich unter denen der übrigen Wohnbevölkerung. Hier müsste eine intensivere Beratung und eine finanzielle Förderung ansetzen, so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Die Unterschiede zwischen den Weiterbildungsquoten lassen sich zu einem Drittel durch die regionale Sozial- und Wirtschaftsstruktur erklären. Ein hoher Bildungsgrad und eine gute wirtschaftliche Lage führen auch zu mehr Weiterbildung.

Infrastruktur für Weiterbildung nutzen

Zwei Drittel der Unterschiede werden jedoch durch Aspekte wie Umfang der Weiterbildungsangebote beeinflusst und sind somit teilweise durch Kommunen steuerbar. In welchem Umfang Kommunen ihre Sozial- Wirtschafts- und Infrastruktur für Weiterbildung nutzen, wird durch die Potenzialausschöpfung beschrieben.

Hier zeigt sich, dass sich, dass neun Kreise, die wir oben dem Mittelfeld zugeordnet haben, eine Potenzialauslastung von 103 bis 140 Prozent aufweisen, d. h. sie übertreffen die statistischen Erwartungen. Zusammen mit den oben genannten sechs weiterbildungsstärksten Kommunen schöpfen insgesamt 15 Kommunen ihre strukturellen Voraussetzungen überdurchschnittlich aus. Elf Kommunen gelingt es jedoch nicht, die statistische Erwartung zu erfüllen, ihre Ausschöpfungsquoten liegen unter 100 Prozent. Dies mache ungenutzten Handlungsspielraum sichtbar, kommentiert Professor Schrader vom DIE die Ergebnisse der Potenzialanalyse. Allerdings müsse vor Ort erforscht werden, was zu einer hohen oder niedrigen Weiterbildungsbeteiligung und Auslastung beitrage.