Zum Inhalt springen

Sie befinden sich hier:

06.11.2019

Gewinnbringend kooperieren statt parallel agieren

Synergien aus der Zusammenarbeit zwischen der hessischen OloV-Strategie und dem Kommunalen Bildungsmanagement freilegen

Inputgeberinnen und -geber diskutieren im dritten Fachforum.
Diskussion mit kommunalen Vertreterinnen und Vertreter im Forum III, Foto: Milton Arias

Im Rahmen des OloV-Kongresses am 22.10.2019 in Limburg tauschten sich unter dem Titel "Gleiches Ziel, vielfältige Ansätze" rund 230 Teilnehmende aus ganz Deutschland über Strategien und regionale Herausforderungen am Übergang Schule-Beruf aus. Dort wurde das Forum 3 gemeinsam mit zwei hessischen Kommunen von der Transferagentur Hessen und der OloV-Koordination gestaltet. Unter der Überschrift "Parallel agieren oder gewinnbringend kooperieren?" zeigten die Stadt Kassel und der Landkreis Fulda, welche Wege sie beschreiten, um Synergien über die Kooperation von Akteuren der hessischen OloV-Strategie und des Kommunalen Bildungsmanagements zu heben.

Kassel: Einbettung des Übergangsmanagements Schule-Beruf in das Kommunale Bildungsmanagement

Die Stadt Kassel versteht sich seit 2007 als bildungsaktive Kommune und hat dafür ein integriertes Ziel- und Handlungsprogramm entlang der Bildungsbiografie formuliert. Anfang 2018 wurden alle bildungsrelevanten Koordinierungsaufgaben für die gesamte Bildungskette in der Abteilung Bildungsmanagement und Integration konzentriert, um dadurch Kooperationsgewinne im Bereich kommunale Steuerung und Koordination von Bildung zu erzielen Die Abteilung umfasst die Sachgebiete Übergangsmanagement Schule-Beruf mit der OloV-Koordination und Bildung und Integration mit der Bildungskoordination für Neuzugewanderte sowie seit 2019 auch die Aktivitäten im Rahmen des BMBF-Programms Bildung integriert. Für die Abteilungsleiterin Katja Schöne ist das Übergangsmanagement Schule-Beruf in den größeren Kontext des Kommunalen Bildungsmanagements eingebettet. Unterschiede im Auftrag, in der Institutionslogik der Akteure oder im Raumbezug der Programme und die unterschiedliche Sozialstruktur im gemeinsamen Wirtschaftsraum von Stadt und Landkreis Kassel beschreibt sie zwar als Herausforderung für die Zusammenarbeit der Programme, sie sieht aber auch großes Potential in der Verzahnung der Sachgebiete über die regionale OloV-Strategie und das Bildungsmonitoring. Gemeinsam analysiert und definiert man die Bedarfe, verständigt sich auf Schwerpunktthemen, führt Steuerung und Weiterentwicklung von Maßnahmen stärker datenbasiert durch und nutzt dafür unter anderem die Daten der integrierten Ausbildungsberichterstattung (iABE).

Landkreis Fulda: gemeinsame Strategie im kommunalen Ausbildungsmarkt

Im Unterschied zum Kasseler Modell erfolgt im Landkreis Fulda die Koordination von Bildungsthemen aus verschiedenen Fachdiensten heraus. Das 2016 eingeführte kommunale Bildungsmanagement versteht sich dabei als Dienstleister für die Bürger, die Kreisverwaltung und die politischen Gremien. Im Sinne von Transparenz werden alle Lernorte des Lebenslangen Lernens im Landkreis erfasst und als interaktive Karte im Internet zur Verfügung gestellt. Das Bildungsmonitoring erhebt und analysiert Daten und bereitet sie für die Gremien und Entscheider auf. In drei Schwerpunktthemen wird über Fachbereichsgrenzen hinweg mit den zuständigen Fachdiensten zusammengearbeitet, wobei an bestehende Strukturen angeknüpft wird.

Am Schwerpunkt "Ausbildung und Fachkräftesicherung" erläuterten Matthias Feuerstein, Bildungsmanager im Landkreis Fulda, und Ulrich Nesemann, Fachdienstleiter Kommunaler Arbeitsmarkt, OloV-Regionalkoordinator sowie Projektleitung des Vorhabens Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote Neuzugewanderter, wie Bildungsbüro und Fachdienst gemeinsam Strategien für bessere Bildung entwickeln und was daraus entspringt. Der Landkreis Fulda versteht sich traditionell als Ausbildungsregion. Bei überaus positiver wirtschaftlicher Entwicklung mit sehr niedrigen Arbeitslosen- und SGB II-Quoten ist die Region jedoch mit einem starken Mangel an Auszubildenden konfrontiert. Deshalb wurde ein "Azubi-Manager" neu eingestellt und die "Azubi-Region" wird überregional gezielt dort beworben, wo es für Jugendliche zu wenige Ausbildungsplätze gibt. Starke Anziehungskraft zeigt der neue "pings Azubikampus", wo günstiger Wohnraum und pädagogische Begleitung angeboten werden.

Starke Gemeinsamkeiten in der Programmstruktur

Sowohl innerhalb der OloV-Strategie als auch im Kommunalen Bildungsmanagement sollen Transparenz über die Bildungssituation hergestellt, eine Verantwortungsgemeinschaft aufgebaut, regionale Strategien entwickelt, Doppelstrukturen vermieden und an vorhandene Programme und Initiativen angeknüpft werden. In den OloV-Steuerungsgruppen setzen die Ausbildungsmarkt-Partner ihre regionalen Strategien für den Übergang Schule- Beruf um. Sie verfügen über jahrzehntelanges Know-how und zahlreiche Kontakte. Das Kommunale Bildungsmanagement nimmt als koordinierende Stelle die gesamte Bildungsbiografie in den Blick und stellt Daten bereit. Damit die inhaltliche Arbeit in beiden Programmen gelingt, müssen dieselben Akteure zusammen arbeiten. Wenn Fachdienste und Dezernate also aufeinander zuzugehen, ihre Ressourcen bündeln und Strategien gemeinsam entwickeln, bringt die Zusammenarbeit des Landes- mit dem Bundesprogramm einen Mehrwert für alle beteiligten Akteure und vor allem für die Menschen in der Kommune.

Die Transferagentur Hessen begleitet beide Kommunen beim Ausbau ihrer Bildungslandschaft. Der Landkreis Fulda wird seit 2016 im Rahmen der Transferinitiative unterstützt, die Stadt Kassel seit 2017.